Zalando baut auf Kredit vom Staat

Bild: Zalando Baustelle in Erfurt*

Zuletzt hatte ich gerätselt, ob Zalando bald das Geld ausgeht. Nun, ein Paar Monate später, ist klar: Solange der Staat und die Banken nicht pleite gehen, offenbar nicht. Warum?

Zalando baut ein Logistik-Zentrum in Erfurt auf Kredit und erhält auch fürs laufende Geschäft eine Finanzspritze laut Der Handel.

Es sind immerhin über 40 Millionen Euro, die Zalando erhält.

Das Geld leiht sich der Online-Versender bei

  1. Commerzbank
  2. Sparkasse Mittelthüringen
  3. KfW Bank.

Es sind teils oder ganz staatliche Banken, die diese Investitionen machen bzw. stützen.

Die KfW Bank ist ganz staatlich, die Commerzbank offiziell zu einem Viertel, sie wurde aber 2009 nur durch Steuergelder vor dem Bankrott bewahrt. „Die Sparkasse Mittelthüringen ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts“, heißt es auf Wikipedia.

Wir sehen also, Zalando sichert sich ab, indem der Staat ins Boot geholt wird, damit nicht ein zweites Neckermann passiert. Diese moderne Form des Staatskapitalmus hat für Firmen sicherlich viele Vorteile.

Es wird schon vorab ein Rettungsschirm ausgebreitet und notfalls springt der Steuerzahler ein, so wie bei den Banken schon mehrfach geschehen – zuletzt unter dem Stichwort Griechenland oder Spanien. Denn „Banken retten“ klingt nun mal nicht mehr schön beim zweiten oder dritten Mal. Dabei geht es ja immer wieder um die Banken, die um ihre Kredite in den Ländern bangen. Nun wie auch immer, wenn der Staat schon vorher ein Interesse hat, eine Firma zu stützen, umso besser für die Firma. Da muss also nicht erst gewartet werden bis sie „zu groß wird, um zu scheitern“.

Ich persönlich halte nichts von Planwirtschaft wie früher mal im sog. „Kommunismus“ der Deutschen „Demokratischen“ Republik. Selbst im ehemaligen Westen haben Monopole, wie die der Post oder der Bahn, jahrzehntelang die Menschen im Alltag behindert.

Natürlich sollte der Staat ein gewisses Maß an Infrastruktur bereit stellen und unterhalten.

Es kann aber nicht sein, dass Privatunternehmen auf Kosten des Steuerzahlers vor den Unwägbarkeiten des Marktes geschützt werden. Auch gesetzliche Versuche, Firmen bevorzugt zu behandeln, sind eine Sackgasse.

Wenn Unternehmen wie Zalando schon staatlich unterstützt werden, dann ist das hochgradig ungerecht.

Schließlich kann mit genügend Kapital zum Verbrennen jede/r so ein Unternehmen wie Zalando aufbauen. Die Konkurrenz würde mit solchen Subventionen ebenso investieren können. Es ist also Politik, die ein Unternehmen bevorzugt behandelt, während die Konkurrenz ausgesetzt wird bzw. als Ganzes die Gesetze des Marktes. Im Fall Zalando würde das heißen: Wer zu viel Geld ausgibt und nicht wirtschaftlich arbeitet, scheitert daran irgendwann.

So sehr ich Zalando schätze, würde ich mir doch wünschen, dass der Staat den Laden nicht künstlich am Leben erhält, erst Recht nicht unter dem Vorwand von Investitionen.

Die freie Wirtschaft sollte frei bleiben und Bürger sollten keine riskanten Manöver finanzieren müssen. Zalando sollte sich also das Kapital weiterhin ohne Hilfe des Staates einsammeln oder anfangen wirtschaftlich zu arbeiten. Schon jetzt kann sich Zalando im gewissen Sinne Dumping leisten, weswegen die Konkurrenz wie Otto ins Straucheln gerät. Wird Otto nun auch vom Staat gerettet?

 

(Autor des Beitrags: Tadeusz)

* Creative Commons Bild von Micheal Panse.

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4 Gedanken zu “Zalando baut auf Kredit vom Staat

  • 17. Oktober 2012 um 17:54
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    Ein Kredit ist keine Subvention. An einem Kredit verdienen die Banken Geld.
    Diese Banken sind auch nicht der Staat, aber selbst wenn Du Dir das schon an den Haaren herbeiziehst: Ist denn jeder Kredit, den die Commerzbank jetzt vergibt, plötzlich Planwirtschaft? Und was ist mit der KfW? Die fördert Zehntausende Gründer jedes Jahr mit zum Teil richtig schlechten Geschäftsmodellen, die sowieso nach ein paar Monaten wieder Pleite sind.
    Große Unternehmen – wie Zalando oder andere – brauchen Kredite, um zu wachsen, vor allem wenn sie logistikintensiv sind.

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    • 19. Oktober 2012 um 13:01
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      Da muss ich dir zustimmen! Was Zalando vor hat klingt vielleicht im ersten Moment nicht so schön, schafft aber bei erfolgreicher Umsetzung, Arbeitsplätze & bringt gerade bei dieser Kreditsumme einen riesigen Haufen Zinsen. Das Wort Planwirtschaft ist in diesem Zusammenhang auch ziemlich überzogen. Befänden wir uns in dieser Wirtschaftsform, hätten wir vermutlich eh nur 1 Versandhandel. 😀

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  • 26. Oktober 2012 um 15:41
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    Tja, warum bekommen dann nicht auch die Konkurrenten Kredite vom Staat? Warum nur Zalando? Haben die einen besseren Draht zu den Verantwortlichen? In einer Demokratie sollte der Staat nicht zugunsten eines Anbieters in den Markt eingreifen. Das ist übrigens Basiswissen auf Grundschulniveau. Mich wundert warum das auf einmal so umstritten sein soll. Warum werden Otto und Neckermann nicht ebenfalls gestützt? Wenn der Staat weiterhin so eingreift wird bald nur Zalando übrig bleiben und dann haben wir nur noch einen Versandhandel.

    Antwort
    • 29. Oktober 2012 um 15:24
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      Sagen wir es so: Sollte die Konkurrenz einen Kredit wollen und Kreditwürdig sein, dann bekommen sie auch einen. Das Verhält sich wie bei Privatkrediten und wenn bei Zalando zum Beispiel die Zahlen insgesamt stimmen und bei Neckermann, weil ja insolvent, nicht, dann bekommen eben Erstere nen Kredit und Neckermann nicht.
      Das hat auch nix mit einem Markteingriff zu tun! Das ist simpelste Kreditwirtschaft, wie sie jede Bank anbietet.

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