Ohne Schlecker geht es… besser!

Das endgültige Aus für Schlecker – seit Anfang des Monats ist es besiegelt. Die möglichen Investoren reichten keine Angebote in ausreichender Höhe ein, deshalb entschieden die Gläubiger, das Unternehmen abzuwickeln. Damit werden Ende Juni rund 2800 Filialen geschlossen und weitere 13 200 Beschäftigte verlieren ihren Job. Den überwiegend weiblichen Mitarbeiterinnen rät Arbeitsministerin Ursula von der Leyen übrigens eine Umschulung zu Erziehern oder Krankenpflegern, um die Fachkräftelücken in diesen Branchen zu füllen.

Ganz ehrlich, so tragisch die Sache für die Mitarbeiter auch sein mag: Eine Zukunft hätten die Filialen des Unternehmens meiner Meinung nach sowieso nicht gehabt. Von den Medien wegen unzumutbaren Arbeitsbedingungen, altbackenem Design und einer undurchsichtigen Firmenpolitik in der Luft zerrissen, von Konsumenten schon jahrelang kritisiert und gemieden. Wie sollte da ein Neuanfang und der Aufbau eines neuen Images möglich sein?

Schon die gestelzten Versuche, mit einem neuen Logo und den neuen Firmengrundsätzen „freundlicher, heller, sympathischer, einheitlicher“ den Kunden von der Marke Schlecker zu überzeugen, waren umstritten. Die desaströse Unternehmenskommunikation tat ihr Übriges: Bereits im Oktober letzten Jahres outete Schlecker in Verteidigung des neuen Firmenslogans „For You. Vor Ort.“ seine Kunden als Menschen mit „niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau“ und stieß dabei verständlicherweise auf viele Gegenstimmen. Doch anstatt die Sache wieder glattzubügeln, bezeichnet Schlecker die Kritiker als „zynisch, unverschämt und arrogant“. Und schon damals stellte ich mir die Frage: Findet Schlecker potentielle Kunden, die kopfschüttelnd am Laden vorbeigehen, eigentlich besser, als Kunden, die freudig hineinlaufen?

Vor knapp 3 Wochen begann dann der Ausverkauf in den Filialen, um für die Gläubiger noch so viel Profit wie möglich aus dem zerschlagenen Familienunternehmen herauszuholen. Alle Artikel wurden zuerst 30 Prozent, jetzt sogar bis zu 70 Prozent reduziert.

Irgendwie ironisch ist das schon, denn jetzt passiert, wovon das Unternehmen die letzten Jahre nur träumen konnte: Die Kunden stehen bereits zu Ladenöffnung Schlange und die Regale werden bis aufs letzte Produkt leergekauft.

Doch an dem Namen Schlecker hängt noch mehr als die Filialen im blau-weißen Outfit. Die Zukunft der Tochtergesellschaften Schlecker XL und Ihr Platz ist noch immer ungeklärt. Dort bangen weitere 5000 Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Es gibt zwar Interessenten, doch meist wird das Angebot zurückgezogen. Die Übernahme durch den Großinvestor Dubag betitelte Schlecker im offiziellen Blog  schon als sicher, aber auch dieser brach die Besprechungen ab.

Dieses Blog allerdings sollte man Schlecker zugutehalten: Kein Unternehmen dieser Größe berichtete so ausführlich über den eigenen Untergang. Gewissermaßen ist das der letzte Service am Kunden, wie er schon früher viel öfter und öffentlicher hätte erfolgen sollen. So publiziert Schlecker beispielsweise eine Liste mit den Märkten, in denen der Ausverkauf stattfindet. Außerdem gibt es immer wieder Neuigkeiten,  z. B.  Informationen zur Einlösung von Geschenkgutscheinen oder zu Produkten der Schlecker Marke wie das Prepaid Angebot Smobil.

Der Schlecker Onlineshop ist ebenfalls von der Insolvenz betroffen, auch wenn sich zur Zeit eine rotgefärbte Meldung vom sonst blau gehaltenen Layout abhebt: „Wir sind weiterhin für Sie da. Wir freuen uns auf Ihre Bestellung!“ Die Misere scheint so offensichtlich mit dem Namen Schlecker verbunden, dass die Kunden fast verzweifelt um Bestellungen gebeten werden. Ein bisschen Mitleid könnte man da schon bekommen.

Ich vergesse dieses Mitleid allerdings schnell, sobald ich in einer hellen, aufgeräumten dm- oder Rossmann-Filiale stehe und die gut gelaunten Mitarbeiter mir freundlich erklären, wo ich meine Zahnpasta finde.

Die Stärken der neuen Marktführer sind vor allem die Eigenmarken. Dm bietet mit Balea und der Öko-Marke alverde tolle Kosmetiklinien, bei denen das Preis-Leistungsverhältnis einfach stimmt. Außerdem findet man im Markt zahlreiche biologisch erzeugte Lebensmittel von Alnatura. Auch Rossmann führt Eigenmarken dieser Art.

Besonders in kleinen Städten und ländlichen Gebieten hielt Schlecker sich für unverzichtbar. Auch wenn die beliebtesten Drogerieketten dm und Rossmann noch nicht Einzug gehalten haben, gibt es eine Lösung: Bei amazon.de kann man sich exklusiv Produkte der dm-Eigenmarken nach Hause liefern lassen. Rossmann hat sogar einen eigenen Onlineshop. Das Sortiment besteht aber nicht nur aus Drogerieartikeln, oft gibt es günstige Multimedia-Angebote oder Nützliches für Haus und Garten. Zur Zeit kann man bei Rossmann sogar versandkostenfrei bestellen.

Mein Fazit fällt, angesichts dieser vielen Möglichkeiten, in anderen Geschäften besser, günstiger und schöner einzukaufen, leider vernichtend aus: Ich werde die Schlecker Filialen nicht vermissen.

(Autor dieses Beitrags: Anne)

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