Hoffnung für Schlecker/ihrPlatz Filialen und Angestellte

In meinem letzten Artikel über Schlecker habe ich mich negativ über die fragwürdig Firmenpolitik geäußert. Diese führte, auf dem Rücken der Angestellten, zum Reichtum des Eigentümers. Für das Unternehmen bedeutete das aber längerfristig die Pleite.

Wer Menschen unwürdig behandelt, der hat auf lange Sicht das Nachsehen, auch wenn die Zahlen zunächst stimmen.

Das kriminelle Ende des Schlecker-Imperiums bestätigt das meiner Ansicht nach. Meine Schadenfreude hat natürlich auch eine zweite Seite, das Mitgefühl mit den Betroffenen. Das sind zuallererst die Frauen, die dort für ein Butterbrot und unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten mussten und jetzt oft vor dem Nichts stehen.

Doch für einen Teil der Filialen von Schlecker/IhrPlatz und deren Angestellten gibt es Hoffnung. Einerseits übernimmt Konkurrent Rossmann wohl über 100 der Läden. Zum Anderen gibt es ein alternatives Konzept, wie die Geschäfte weiter betrieben werden könnten, nämlich in Eigenregie!

Der Hauptvorteil von Schlecker/IhrPlatz war ja oft, dass es der einzige Laden in der Nähe oder die einzige Drogerie um die Ecke war.

Wer also nicht zum Fahren aufgelegt war, sondern nur einen Zu-Fuß-Einkauf erledigen wollte, ging zu Schlecker. Selbst in Berlin, wo ich etliche Filialen kannte, war Schlecker einfach immer in der unmittelbaren Umgebung und oft mitten in Wohngebieten. DM oder Rossmann z.B. waren hingegen einfach weiter weg, etwa in Einkaufszentren oder auf großen Einkaufsstraßen.

Natürlich wäre es in den meisten Fällen zu viel verlangt, dass die ehemaligen Schlecker-Angestellten über Nacht zu erfolgreichen Unternehmer/inne/n werden. Andererseits ist es, zumindest dort, wo in der Provinz Schlecker der einzige Laden weit und breit war, auch eine öffentliche Angelegenheit und im Interesse der Anwohner/innen dafür zu sorgen, dass die Grundversorgung gewährleistet ist. Es hat nicht jeder ein Auto oder die Zeit weit zu fahren, um Besorgungen zu machen.

Wer übrigens wie die WiWo den, von Verdi durchgesetzten, gesetzlichen Mindestanforderungen die Mitschuld an der Pleite gibt, übersieht die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Schlecker-Läden. Sie waren meist klein, schäbig und gefährlich (aufgrund der hohen Zahl von Überfallen). Ich hatte schon beim letzten Beitrag darüber geschrieben. Schlecker ist ganz sicher nicht an den Personalkosten gescheitert. DM bezahlt deutlich mehr. Wer sich die Produktpalette von DM, Rossmann und Schlecker aber im Vergleich mal angesehen hat, wird einsehen, dass das Schlecker-Konzept nur an den Orten aufgehen konnte, wo die Menschen keine andere Einkaufsmöglichkeit hatten.

Wer also selbst-organisiert seine einzige Einkaufsmöglichkeit retten will und eine Genossenschaft gründet, fährt sicher besser als beim „Günstiger um jeden Preis: Hauptsache billig“-Konzept. Da wo sich die Konkurrenz durch Dumpingpreise nicht gegenseitig ruiniert, kann der Markt nämlich auch wieder richtig funktionieren.

Habt ihr eine Schlecker-Filiale in der Nähe, die Ihr vermissen werdet? Wenn ja, warum?

 

(Autor des Beitrag: Tadeusz)

 

* Creative Commons Bild von caratello.

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