Fehlstart oder Mondreise – OTTO startet seine Online-Werbeoffensive

Otto startet Millionenkampagne!Den Steuerknüppel nach oben ziehen möchte nun auch der Versandriese OTTO. Online ist „IN“ oder besser gesagt: Das Geschäft mit dem gedruckten OTTO Katalog ist überholt, langwierig und spricht gerade jüngere Zielgruppen kaum noch an. Eine mit riesigem Etat finanzierte Werbekampagne soll den Onlineshop OTTO.de nun in neue Höhen führen und leitet gleichzeitig den Angriff gegen Zalando & Co. ein.

In der neuen Werbeoffensive werden laut der W&V Frauen auf einen Beutezug bei OTTO.de geschickt. Dabei erleben sie die irrwitzigsten Geschichten, z. B. eine Frau auf einer Party, welche ihr Getränk über einen Kaktus gießt und diesen dann in die Luft wirft. In den bildgewaltigen Werbespots lassen sich die Frauen aber nicht von der ausschlaggebenden Frage ablenken: „Wo hat sie bloß diese Tasche her?“ Vom neu konzipierten Werbeclaim wird die Antwort dargeboten: „Gefunden auf OTTO.de“. Das gesamte Konzept gibt es auch als Plakat oder Werbebanner. Mit kuriosen Motiven und schöner Mode soll eine junge Zielgruppe erreicht und ein deutlicher Angriff auf die Online-Konkurrenz gestartet werden.

Das Betrachten der Kampagne wirft aber auch Fragen auf:

Können die neue Werbung, der Werbespruch und alle Emotionen, welche mit den Bildern vermittelt werden, die Menschen auf den Onlineshop ziehen und zum Kauf animieren? Ich kann ein Produkt, wie beispielsweise Schuhe, bei OTTO finden. Das gleiche Produkt gibt es aber in der Regel auch in anderen Onlineshops und dort spare ich vermutlich noch die Versandkosten. Das bloße Finden von Produkten im OTTO-Shop gibt mir noch lange keinen Grund, diese auch dort zu kaufen. Sicherlich ist die Idee, das Produkt in den Fokus zu rücken und nebenbei noch am veralteten Versandkatalog-Image zu schrauben, nicht schlecht. Die Grundkompetenzen unter Einbezug der Konkurrenz auszubauen, wäre aber die bessere Idee.

Warum versucht man bei OTTO.de nicht Folgendes:

  • Kostenlos liefern 
  • Die durchschnittliche Lieferzeit von 3 -4 Tagen an die der Wettbewerber anpassen
  • Die Anzahl der alternativen Artikelangebote erhöhen
  • Sich noch einige Fremdmarken in den Flieger laden

Es gibt den Onlineshop von OTTO nun schon eine ganze Weile. Schon im Jahr 1995 fand man die ersten Produkte im Internet. Ab 1997 sogar den gesamten Katalog.

Mehr zur OTTO-Geschichte gibt es auf unserer Anbieterseite.

Eigentlich sollte man also annehmen, dass das Versandhaus genug Erfahrung hat, um sich im schnellen Wandel des Onlinegeschäfts anzupassen. Dass man jetzt erst mit einer derartigen Werbekampagne an den Start geht, wirkt beim Alter des Shops etwas verspätet. Schließlich boomen Konkurrenten wie Zalando und Amazon. OTTOs Nachholbedarf, vor allem in der Kundenfreundlichkeit (kostenloses Servicetelefon, geringere Wartezeiten), sollte vor einer Werbekampagne angepackt werden. Erst dann könnte das Konzept – „Gefunden auf OTTO.de“  und auch dort kaufen – aufgehen.

Wie seht ihr das? Könnte die neue OTTO Kampagne einen Höhenflug des Shops auslösen oder wird der Fehlstart zu einer Katastrophe?

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2 Gedanken zu “Fehlstart oder Mondreise – OTTO startet seine Online-Werbeoffensive

  • 19. März 2013 um 10:11
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    Kann schon sein, dass die neue Kampagne einen Höhenflug auslösen wird. Wenn, dann aber nur kurzfristig. Solche Kampagnen haben immer eine begrenzte Wirkungsdauer!

    Viel wichtiger wäre es grundsätzlich etwas am Geschäftsmodell zu verändern, so wie du es angesprochen hast. Sonst wird die Konkurrenz um Amazon, Zalando und Co. mehr und mehr enteilen je weiter die Zeit fortschreitet.

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  • 28. März 2013 um 17:21
    Permalink

    Ich habe ein Faible für ungewöhnliche, teils auch schwachsinnige Werbungen, die aber Stil haben. Die von Otto finde ich jetzt nicht besonders gut und kann mir auch nicht vorstellen, dass es etwas bringt.

    Otto müsste sein Konzept von Grund auf überarbeiten und sich auf den Onlineverkauf konzentrieren. Das Kataloggeschäft würde ich nebenbei betreiben, die Stammkunden aber versuchen ins Internet zu locken, mit Gutscheinen usw. Und wenn die Kunden da sind und dazu der Service stimmt, könnte es was werden. Mit bloßer Werbung wird das aber nix.

    Antwort

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