Angst und Chaos beim Otto-Versand: Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Die Ereignisse bei Otto überschlagen sich. Angesichts einer nur geringen Schwächung der Bilanz hat die Konzernleitung offenbar mit ihrer Informationspolitik Angst und Chaos ausgelöst. Die Belegschaft ist wütend.  Das Management lässt sich ein halbes Jahr Zeit, bis die Opfer der angekündigten Entlassungswelle klar sind.

Erst vor zwei Wochen war die durchaus zweideutige Bilanz bekannt geworden.

Wenige Tage später reagierte der Konzern panisch und drohte mit Massenentlassungen. Nun hält sich das Management bedeckt und vertröstet Kunden und Angestellte auf den Herbst. Bis dahin hängen alle in der Luft.

Das soll sich mal eine/r vorstellen. Da weht ein laues Lüftchen, das Schiff kommt zwei Grad vom Kurs ab und der Kapitän lässt verlauten, dass 10% der Crew weg müssen. Nicht alle davon werden über Bord geworfen, immerhin. Ein Teil wird auf Inseln ausgesetzt oder auf andere Schiffe versetzt.

Wären wir auf der hohen See, es gäbe längst eine Meuterei. Doch der Otto-Vorstand lässt die Crew bangen. Die nächsten 6 Monate wird keine/r der Angestellten wissen, ob vor Weihnachten ein Umzug ansteht oder der Job ganz weg ist.

Es ist kein Doktortitel in Psychologie nötig, um die fatalen Folgen einer solchen Angstkampagne abzuschätzen.

Die Menschen werden unter ungeheuren Druck geraten. Im schlimmsten Fall beginnen Grabenkämpfe, während alle Angst haben müssen, ihre Arbeit zu verlieren. Nicht umsonst ist bereits jetzt die Rede von Chaos. Der Betriebsrat-Vorsitzende fragt den Vorstand: Wissen Sie eigentlich noch, was Sie tun? Die  Angestellten wissen es  jedenfalls nicht mehr.

Wenn die Führung panisch wird in einem solchen Moment, kann das leicht eine selbst erfüllende Prophezeiung werden.

Ich weiß, wovon ich rede – ich war mal in einer Firma angestellt, bei der es von einem Tag zum anderen plötzlich hieß, die Glückssträhne sei zu Ende und „wir müssen sparen“. Von da an ging es steil bergab. Am Ende war ich froh, einer der ersten gewesen zu sein, der entlassen wurde, angesichts der folgenden Agonie samt dem Hauen und Stechen der verbliebenen Beschäftigten.

Wenn jede/r gegen jede/n kämpft, bleibt von Wirtschaftlichkeit nichts mehr übrig. Gerade bei Otto, wo das „Humankapital“ mit der stärkste Aktivposten ist, müssten sie das eigentlich wissen. Wer würde absichtlich das Betriebsklima so vergiften wollen?

Ich finde diese Entwicklung einfach nur traurig und unverantwortlich. Was sagt Ihr dazu? Bei Zalando sind jedenfalls Hunderte Stellen offen. Wer nicht ein halbes Jahr auf den Galgen warten will, bewirbt sich schon mal.

 

(Autor des Beitrags: Tadeusz)

* Creative Commons Bild von Magic Madzik

 

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